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· Board Dynamics

Soft Skills retten keine Vorlage, die nicht vorbereitet ist

Die Frage steht am Dienstag um 14 Uhr im Raum: Geht Ihre Vorlage durch oder nicht?

Ratgeber zum Aufstieg in der IT beantworten sie mit Kompetenzen — strategisches Denken, emotionale Intelligenz, Kommunikationsstärke. Nichts davon ist falsch. Nur wird im Vorstand nicht Ihre Persönlichkeit bewertet. Bewertet wird eine Vorlage — und die Frage, ob jemand sie verantworten kann.

Was bewertet ein Vorstand tatsächlich?

Ein Gremium bewertet drei Dinge: ob die Entscheidung vertretbar ist, wer das Risiko trägt, und was passiert, wenn sie ausbleibt. Nicht, wie souverän jemand vorträgt. Wer diese Fragen vor der Sitzung beantwortet hat, verliert den Termin selten an die Sache.

An die Politik kann er ihn immer noch verlieren. Wer das Thema nicht will, sagt selten „ich will nicht“ — er fordert eine Nachreichung.

Und eine zweite Einschränkung, die selten jemand ausspricht: Die Toleranzschwelle für Lücken ist nicht für alle gleich hoch. Sechs geprüfte Alternativen heißen bei dem einen „gründlich“. Eine einzelne Folie beim anderen „entschlossen“. Wer das weiß, bereitet nicht weniger vor. Er weiß nur genauer, wogegen.

Vor allen dreien steht ohnehin eine Hürde, die keine inhaltliche ist: Ist das Geld da? Nicht „was kostet es“, sondern: steht es im Plan, und wenn nein, aus welchem Topf. Eine sachlich hervorragende Vorlage ohne Deckung wird nicht abgelehnt. Sie wird gar nicht erst aufgerufen.

Wo die Entscheidung wirklich fällt

Nicht im Sitzungssaal. Je größer das Haus, desto mehr ist die Sitzung das Protokoll eines Prozesses, der drei Wochen vorher gelaufen ist.

Die Vorlage stirbt vorher — in der Abstimmung mit Controlling, Compliance, Einkauf, Betriebsrat. Oder sie stirbt leiser: Sie kommt nicht auf die Tagesordnung, weil jemand sie vorsortiert hat.

Wer erst die Sitzung vorbereitet, bereitet zu spät vor. Die eigentliche Arena ist der Umlauf.

Warum Kommunikationsstärke allein nicht trägt

Soft Skills wirken auf der Beziehungsebene. Sie sorgen dafür, dass man Ihnen zuhört, dass Konflikte nicht eskalieren, dass ein Nein nicht persönlich wird. Das ist die Eintrittskarte — nicht die Entscheidung.

Die Entscheidung fällt an anderer Stelle. Der CFO fragt, warum die Kosten steigen, obwohl Sie automatisiert haben. Der Vorstand fragt, was er dem Aufsichtsrat sagt, wenn die Migration schiefgeht. Der Einkauf fragt, warum nicht der günstigere Anbieter.

Auf diese Fragen hilft keine Rhetorik. Nur eine Antwort, die vorher geprüft wurde.

Der teure Irrtum dabei: Wer gut kommuniziert und trotzdem dreimal zurückgeschickt wird, arbeitet an der falschen Stelle weiter. Er übt Präsenz, obwohl ihm Einwände fehlen.

Was stattdessen vorbereitet gehört

Vier Schritte, die den Unterschied machen:

  1. Einwände einsammeln, bevor das Gremium sie stellt. Im Zweiergespräch vorab — mit einer Einschränkung: Das Vorgespräch ist kein Wahrheitskanal, sondern ein Verhandlungskanal. Manche sagen Ihnen unter vier Augen, was sie im Raum verschweigen. Andere sagen Ihnen etwas Bequemes. Sie erfahren dort nicht die Wahrheit, sondern die Preise.
  2. Antwortlinien bauen, nicht Folien. Das Gremium liest Tage vorher die Vorlage, nicht Ihre Präsentation. Entschieden wird oft schon dort — meist im Abschnitt über die geprüften Alternativen. Wer eine echte Option und zwei Alibi-Varianten anbietet, wird zerlegt.
  3. Den stärksten Einwand selbst vortragen. Wer das Risiko benennt, bevor es ein anderer tut, bleibt glaubwürdig, wenn es eintritt.
  4. Die Konsequenz beziffern. Nicht was es kostet — was es kostet, es zu lassen. Dazu die Frage, ob es sich zurückdrehen lässt. Vorsicht dabei: Im öffentlichen Sektor kauft eine Ausstiegsoption Zustimmung. Im Konzern kostet sie einen Aufschlag, den der Einkauf in der Zeile sieht — dort gewinnt manchmal die längere Bindung, weil sie billiger ist.

Wenn ein anderer Ihre Vorlage vorträgt

Ab einer gewissen Größe gehen die großen Themen nicht unter Ihrem Namen ins Gremium. Der CFO trägt vor. Sie sitzen nicht im Raum.

Dann ändert sich die Aufgabe: Nicht Sie müssen sitzungsfest sein, sondern er. Ihre Antwortlinien werden für jemanden geschrieben, der Ihr Thema nur zur Hälfte kennt und es trotzdem verteidigen muss. Was er nicht in zwei Sätzen sagen kann, kann er nicht vertreten.

Woran erkennen Sie, dass Sie nicht vorbereitet waren?

An zwei Sätzen im Raum und einem auf dem Flur danach.

Im Raum: „Das müssen wir nachreichen.“ Und: „Dann nehmen wir das nochmal mit.“ Auf dem Flur: „Wo kam das denn jetzt her?“

Keiner dieser Sätze hat mit Persönlichkeit zu tun. Alle drei bedeuten dasselbe: Eine Frage kam im Raum zum ersten Mal auf, statt vorher.

Soft Skills oder Vorbereitung?

Soft Skills entscheiden, ob man Ihnen zuhört. Vorbereitung entscheidet, ob man Ihnen folgt.

Wer aufsteigt, hat nicht nur an sich gearbeitet. Er hat an der Sitzung gearbeitet, bevor sie stattfand — und an allem, was ihr vorausging.

Wie das in einer echten Lage aussieht — Merger, Kostenprogramm, ein Gremium ohne geklärte Rahmenbedingungen —, steht im Praxisfall: Interim-CIO im Merger.